"Senioren-Rose" und "Senioren-Nessel": Die ersten Preisträger wurden präsentiert
Wien (OTS) - Heute wurden in Wien die Preisträger der erstmals verliehenen Medienpreise des Österreichischen Seniorenbundes bekannt gegeben. Sowohl die "Senioren-Rose" als auch die "Senioren-Nessel" wurden dabei jeweils in den Kategorien "Werbung" und "Journalismus" vergeben.
"Senioren-Rose" in der Kategorie Werbung
Dieser Preis ergeht an ein Werbeplakat der Wiener Linien. Es zeigt zwei ältere Damen, die mit Gurkenmaske im Gesicht entspannen und sich sicher sind: "Beim Heimfahren wird uns wohl keiner mehr einen Platz anbieten". Die Juroren würdigten bei diesem Sujet die durchaus offene Selbstironie der Senioren, ebenso wie die sehr positive bildliche Darstellung.
Den Preis nahm Martin Kalab von den Wiener Linien entgegen: "Unsere Zielgruppe ist jede und jeder in Wien. Doch die Senioren sind jene Gruppe, bei der es am meisten darum gehe, alte Klischees aufzubrechen. Besonders wichtig ist es für uns, niemanden auszugrenzen."
Weitere Nominierte waren:
- Die Werbelinie "Dove pro-age" der Firma Unilever für den Mut und
die Ästhetik der verwendeten Bilder.
- Die Werbelinie "Best Ager" des Reisebüro Thomas Cook für die
Lebensfreude, die hier in Wort und Bild vermittelt wird.
- Das Extraheft "Einfach Leben" der Oberösterreichischen
Nachrichten für die sorgfältig aufbereitete Information, die mit
stilvollen Bildern behutsam abgerundet wurde.
"Senioren-Rose" in der Kategorie Journalismus
Diese Auszeichnung wurde für den Artikel "Mit 100 noch immer im Job" von der Journalistin Teresa Richter-Trummer in der Tageszeitung "Kurier" verliehen. Ausschlaggebend dabei waren das einfühlsame Interview, die gelungene bildliche Darstellung wie überhaupt die Bereitschaft, eben auch jene Beispiele darzustellen, die nicht den alt hergebrachten Klischees entsprechen.
Teresa Richter-Trummer war gekommen, um den Preis entgegen zu nehmen: "Ich wollte nicht nur über diese Dame schreiben, sondern ich wollte sie treffen und kennen lernen. Es war beeindruckend wie viel Kraft und Begeisterung diese Frau versprühte."
Weitere Nominierte waren:
- "Der Intelligenztest für die Wohnung" erschienen in "Die Presse"
am 16. Jänner 2009, wo neben interessanter Information das Bild
einer jener Seniorinnen der sonst ignorierten "Gewonnenen
Generation" zu sehen ist.
- "Marktpotenzial Best Agers" erschienen in Format am 19. Dezember
2008, der im Text auch das Positive an den demographischen
Entwicklungen aufzuzeigen versucht und zusätzlich von
unterhaltsam überspitzten Bildern begleitet ist.
- "Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss..." am 12. November
2008 erschienen in "Die ganze Woche", der sich wie viel Beiträge
zum ausgezeichneten Film "Wolke 9" mit dem Tabuthema Liebe und
Sex im Alter auseinandersetzt.
- "Servus statt Grüezi" erschienen in "Die Neue Vorarlberger
Tageszeitung" am 12. April 2009, der als Teil einer Serie
persönliche Geschichten aufzeigt, Vorbilder im Alltag, die
zeigen, dass gerade Senioren in diesem Bereich oft Vorbilder in
ihren Familien sind.
- "Wie ist das jetzt mit Afrika?" in den "Salzburger Nachrichten"
erschienen am 27. Juni 2009, der ebenso wie das Siegerprojekt
einen jener Menschen beleuchtet, der nicht dem Klischee
entspricht. Der sich auch im Alter aktiv und uneigennützig für
andere Menschen einsetzt.
"Senioren-Nessel" in der Kategorie Werbung
Dieser Preis wurde nicht für eine klassische Werbung, sondern für ein Produkt verliehen. Der "Seniorenteller" der Schokoladenmanufaktur Hussel enthält nämlich ein künstliches Gebiss, ein Hörgerät und eine dicke Brille - alles natürlich zum Naschen. Nach Ansicht der Jury verbindet dieses Produkt das Wort "Senioren" zu Unrecht mit Attributen, die nach alten Klischees mit dem Alter verbunden sind.
Mit viel Humor nahm Frau Drmola, Bereichsleiterin bei Hussel, den Preis entgegen. "Sie werden es nicht glauben, aber das Produkt ist ein absoluter Verkaufsschlager."
Weitere Nominierte waren:
- Ordinations-Plakate der Österreichischen Ärztekammer, die unter
dem Slogan "Immer in Ihrer Nähe" die Parkbank sitzenden, Tauben
fütternden Seniorinnen neben dem feschen jungen Arzt zeigen.
- Eine Internetwerbung von eBay, die unter dem Slogan "Bei eBay
Kräutertee verkauft ... und Zauberkasten gefunden" alte
unvorteilhaft gekleidete Damen zeigt.
- Der Werbespot der Firma Rekord Fenster, der schon im Frühjahr
nach der Empfehlung des Österreichischen Seniorenrates von der
Firma selbst zurückgezogen worden war und in welchem die "alte
Tante" aus dem Fenster geworfen wird, um Platz für die "wirklich
wichtigen Dinge" (nämlich kaum bekleidete junge Damen) zu machen.
"Senioren-Nessel" für Journalismus
Wenig überraschend erging der in Senioren-Kreisen heftig diskutierte Artikel Erich Schillinger hatten sich der Bewertung der Jury selbst gestellt und den Preis übernommen.
Journalist Gernot Bauer bei der Preisübernahme: "Zeitung muss brennen, das ist ein alter Journalistenspruch, somit kann uns die "Brenn"Nessel nur Recht sein. Zum Inhalt kann ich sagen, dass sehr viele Pensionisten heutzutage eben noch keine Senioren sind. Und genau das ist das Problem."
Und Bauer weiter: "Sollten Sie hier auch Geldpreise vergeben, bin ich dafür, dass diese jährlich valorisiert werden - nach dem Preisindex für Pensionistenhaushalte, versteht sich!"
Art Director Erich Schillinger führte zu den Bildern noch einmal aus, dass diese eben auffallen müssten.
Weitere Nominierte waren:
- "Österreich zahlt die höchsten Pensionen" erschienen am 24. Juni
2009 in "Die Presse" (Ausdrücklich nicht wegen des Inhalts,
sondern wegen der Verknüpfung mit dem "Taubenfütterer"-Bild).
- "Projekt Methusalem" erschienen am 16. Februar 2009 in "Kurier"
(ebenfalls aufgrund der bildlichen Darstellung).
- "Wetterfrust und Wetterlust" erschienen am 12. Februar 2009 auf
der "Neuen Vorarlberger Tageszeitung".
- "Liebe Rentner!" erschienen am 31. August 2009 in Profil
Die Preise "Senioren-Rose" und "Senioren-Nessel" sind zum Markenschutz angemeldet und werden auch im Jahre 2010 vergeben werden. Dann jedoch soll es die Möglichkeit geben, sich selbst um den Preis zu bewerben, beziehungsweise im Falle der Nessel von Seniorinnen und Senioren nominiert zu werden.
