14.11.2017

Vollversammlung des Seniorenrates (1) - Eröffnung durch die Präsidenten Blecha und Korosec

Großer Redoutensaal bildet feierlichen Rahmen

Heute um 10 Uhr wurde im Parlament in der Hofburg die

11. ordentliche Vollversammlung des Österreichischen Seniorenrates

eröffnet. Zahlreiche hohe Ehrengäste, 116 Delegierte sowie rund 40

Gastdelegierte folgten der Einladung und konnten feierlich begrüßt

werden.

Besonderen Dank sprachen die Präsidenten Karl Blecha und Ingrid

Korosec in ihren Eröffnungsworten der Präsidentin des Nationalrates

Elisabeth Köstinger aus, die die Begrüßung vornahm.

Zwtl.: Eröffnungs-Statement Präsident Karl Blecha

"Der Österreichische Seniorenrat ist Teil der Sozialpartnerschaft.

Die Sozialpartnerschaft ist wesentlicher Teil der Erfolgsgeschichte

Österreichs. Ohne Sozialpartnerschaft gäbe es keinen sozialen Frieden

in unserem Land. Wer die Sozialpartnerschaft abschaffen will oder

schwächen, schafft den sozialen Frieden ab! Und davon wären wohl auch

wir Ältere negativ betroffen. Die Sozialpartnerschaft muss gestärkt

werden denn wir brauchen sie in Zukunft mehr denn je, auch wir

Pensionistinnen und Pensionisten!"

Zum Thema Pensionen erklärte der Präsident des

Pensionistenverbandes als die stärkste im Seniorenrat vertretene

Organisation, "dass unter dem irreführenden Wort ?Reform?

vorgebrachten Vorschläge in der Regel auf Einschränkungen, Kürzungen,

Verschlechterungen hinauszielen. Wir werden unsere Stimme erheben und

alle jene zurückweisen, die glauben unser bewährtes und sicheres

Pensionssystem kaputt machen zu können. Wir haben bewiesen, dass wir

laufend zu sinnvollen Adaptierungen bei den Pensionen bereit sind -

Stichwort Pensionskonto. Ich kann die Platte von der

Unfinanzierbarkeit der Pensionen schon nicht mehr hören! Jahr für

Jahr geben wir für die Pensionen weniger aus, als alle Prognosen

vorhersagen, als im Budget dafür eigentlich vorgesehen ist. Die

Ausgaben für die Pensionen sind kein Defizit, sind keine Schulden! Es

geht heute um die Wertsicherung der Pensionen als Grundrecht auf

Alterssicherung, das verfassungsrechtlich zu schützen ist. Aufgrund

der Ausdehnung der Berechnungsgrundlage auf lebenslange Durchrechnung

geht es in Zukunft darum, Altersarmut zu verhindern! Unsere

Forderung: Jene 10 Jahre mit dem geringsten Einkommen, sollen nicht

für die künftige Pensionsberechnung zu Grunde gelegt werden."

Blecha weiter: "Die Arbeitswelt wird sich durch die

Digitalisierung grundlegend ändern. Sie wird sich aber auch zu einer

altersgerechten Arbeitswelt ändern müssen. Mit Arbeitsplätzen, die

nicht krank machen! Nur dadurch erreichen wir, dass die Menschen auch

tatsächlich länger arbeiten können und erreichen dadurch, dass das

faktische Pensions-Antrittsalter auch tatsächlich steigt. Wir

brauchen keine Pensionsreform, sondern eine Arbeitswelt-Reform.

Schluss mit dem Hinausmobben und Hinausdrängen älterer Beschäftigte

aus dem Arbeitsmarkt - und das gilt sowohl für die Privatwirtschaft

wie für den öffentlichen Bereich.

Wir spüren aktuell durch die brummende Wirtschaft eine Entspannung

bei der Arbeitslosenrate, die allerdings eine Gruppe nicht erreicht:

die älteren, lange Arbeit Suchenden. Dafür hat die derzeit noch im

Amt befindliche Bundesregierung ein spezielles Jobprogramm, die

sogenannte Aktion 20.000 beschlossen, die sich gerade in der

Pilotphase befindet. Ich warne davor, dieses Programm zu beenden,

noch bevor es richtig gestartet wurde!"

Blecha dankte allen Pensionistenvertretern für ihre engagierte

Tätigkeit "im Sinne derer, denen wir verpflichtet sind. Besonders

danke ich meinem langen Weggefährten im Seniorenrat, dem früheren

Präsidenten Andreas Khol für die langjährige gute Zusammenarbeit".

Zwtl.: Eröffnungs-Statement Präsidentin Ingrid Korosec

"Der Österreichische Seniorenrat ist Sozialpartner der

österreichischen Seniorinnen und Senioren. Er ist den gesetzlichen

Interessenvertretungen der Dienstnehmer, der Wirtschaftstreibenden

und der Landwirte gleichgestellt. Diese Formulierung soll in Zukunft

auch gesetzlich verankert werden und ich erwarte mir, dass der

Österreichische Seniorenrat in der Praxis dann von allen übrigen

Sozialpartnern auch entsprechend anerkannt wird", stellte Korosec

klar.

Die Präsidentin legte auch ein Bekenntnis zu einem erfolgreichen

Miteinander der Generationen ab. "Für mich ist es ganz

selbstverständlich, dass der Zusammenhalt einer Gesellschaft in der

Solidarität zwischen den Jüngeren und den Älteren liegt." Nur so

seien die Herausforderungen der kommenden Jahre zu bewältigen.

"Die Abschaffung der Pensionsbeiträge für Erwerbstätige, die

bereits eine Alterspension erhalten, ist für mich ein besonders

wichtiges Anliegen. Dies wäre eine wesentliche finanzielle

Erleichterung, die sich für den Einzelnen rechnet und ist auch

gesamtwirtschaftlich gesehen vielversprechend. Leider ist diese

Forderung noch nicht im Leitantrag enthalten, für eine rasche

Umsetzung werde ich aber kämpfen", stellt Korosec klar.

Im Bereich der Pflege - einem der zentralen Punkte des

Leitantrages - hob Korosec die verstärkte Förderung von pflegenden

Angehörigen sowohl in finanzieller als auch ideeller Hinsicht hervor.

Diese Unterstützung ist gerade im Hinblick auf den Wunsch von 90 %

aller Menschen wichtig, daheim statt im Heim gepflegt und betreut zu

werden. Zusätzlich ist eine noch stärkere Förderung der mobilen

Pflege sowie ein Ausbau der finanziellen Unterstützung bei der

24-Stunden-Betreuung notwendig.

Auch forderte Korosec das "klare Bekenntnis der Steuerfinanzierung

und die langfristige Sicherstellung der Finanzierung durch den

Pflegefonds". Nicht zuletzt müsse auch das Pflegegeld jährlich an die

steigenden Kosten angepasst werden.

Vor den rund 180 Teilnehmern werden im Rahmen der

Eröffnungsveranstaltung für die Sozialpartner zu Wort kommen:

Bundesjugend-Vorsitzender Christian Zoll,

Landwirtschaftskammer-Präsident Ing. Hermann Schultes, für den

Gewerkschaftsbund der Vorsitzender der Gewerkschaft Bau Holz Abg z NR

Josef Muchitsch und Wirtschaftskammer-Vizepräsident KR DI Dr.

Richard Schenz.

Die Reden von Sozialminister Alois Stöger sowie Vizekanzler Dr.

Wolfgang Brandstetter als Vertreter der Bundesregierung bildeten den

Höhepunkt des Vormittags. Für den Nachmittag stehen dann u.a. die

Wahlen und die Behandlung der Anträge auf der Tagesordnung.