Mehr Land- und Hausärztinnen und -ärzte dank Stipendium!

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Seit Jahren lässt sich beobachten, dass die Zahl der niedergelassenen Kassenärzte abnimmt und immer mehr Medizinerinnen und Mediziner – egal ob Haus- oder Fachärzte – lieber den Weg des Wahlarztes einschlagen. Dieser strukturelle Mangel bedeutet nicht nur unerträglich lange Wartezeiten bei Haus- und Fachärzten, sondern weitere Anfahrtswege. Vor allem für Seniorinnen und Senioren ist das unzumutbar. Der Mangel an Hausärzten wird darüber hinaus im ländlicheren Raum spürbar. Nicht wenige kleine Gemeinden kämpfen händeringend darum, leerstehende Landarztpraxen zu besetzen.

Kein Personal-, sondern ein Verteilungsproblem

Wieso aber bleiben Stellen unbesetzt, obwohl Österreich eine der höchsten Medizinerdichten im EU-Raum hat? Unser Gesundheitssystem hat kein Personal-, sondern ein Verteilungsproblem. Der Großteil der Investitionen fließt in den Spitalsbereich, Haus- und Landärzte werden außen vor gelassen. Da ist es kein Wunder, dass Patientinnen und Patienten zu oft statt zu einem niedergelassenen Arzt in die Spitalsambulanzen gehen. Dass Krankenhäuser über heillos überlastete Ambulanzen klagen, ist die logische Folge und der falsche Weg.

Stipendium für mehr Landärztinnen und-ärzte

Die Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz hat bereits im Regierungsprogramm Maßnahmen verankert, um dem grassierenden Land- und Hausärztemangel entgegenzuwirken. Die Einführung des Landarztstipendiums als Förderung ist ein neuer Anreiz für Medizinerinnen und Mediziner, nach der Ausbildung ihre Praxis in kleineren Gemeinden einzurichten, statt in Spitälern oder großen Städten zu bleiben. Als Gegenleistung für eine finanzielle Unterstützung während des Studiums verpflichten sie sich dabei, für einige Zeit auf dem Land zu praktizieren.

Entlastung der Spitäler

Gleichzeitig werden auch Spitalsärztinnen und –ärzte entlastet, indem die nichtärztlichen Gesundheitsberufe gestärkt werden. Wenn Krankenschwestern und Pfleger wieder Infusionen aufhängen, EKGs schreiben und Blutabnahmen durchführen dürfen, haben Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit für ihre Patientinnen und Patienten. Auch der konsequente Ausbau der Primärversorgung, u.a. durch Primärversorgungszentren und ambulante Rehabilitation, entlastet die Spitäler.

Mehr Unterstützung und Anerkennung für Hausärztinnen und -ärzte

Besonders wichtig: DerBerufszweig des Hausarztes wird aufgewertet und attraktiver gestaltet. Das beginnt bereits bei der Ausbildung zur Fachärztin bzw. zum Facharzt für Allgemeinmedizin. Die Finanzierung des klinisch-praktischen Jahres im Fach Allgemeinmedizin gibt angehenden Hausärztinnen und Hausärzten bereits während des Studiums mehr soziale Sicherheit. Außerdem wird eine Facharztoffensive für mehr Kinder- und Augenärztinnen und -ärzte sowie für Kinder- und Jugendpsychiaterinnen und -psychiater gestartet. Gerade im Licht zunehmender psychischer Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen bei immer jüngeren Menschen sind diese Medizinerinnen und Mediziner wichtiger denn je.

Bessere Leistungen für Kassenärztinnen und -ärzte

Ich freue mich auch über die im Regierungsprogramm festgeschriebene Ausweitung und Weiterentwicklung des Kassenarztmodells.  Denn seit Jahren fordere ich für Haus- und Landärzte einen erweiterten Leistungskatalog der Krankenkassen sowie eine längst überfällige Aufwertung der kassenärztlichen Leistungen. Für eine therapeutische Aussprache erhalten Hausärzte österreichweit rund 10 Euro, für ein Koordinierungsgespräch betreffend Medikation rund 12 Euro. Leistungen zur Gesundheitsprävention, Bewegung und Patientenführung fehlen derzeit noch zur Gänze. Das drückt nicht nur die Attraktivität des Berufs Hausarzt, sondern ist auch grob kurzsichtig. Flächendeckende Gesundheitsprävention würde Folgekosten im Gesundheitssystem verhindern.

Altersgrenze für Kassenärzte abschaffen!

Eine Forderung, bei der ich weiterhin bleibe: Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner müssen auch über das 70. Lebensjahr hinaus mit einem Kassenvertrag weiterarbeiten dürfen. Derzeit ist das nur in Ausnahmefällen möglich. Die Ausnahme sollte aber zur Regel werden! Ansonsten bleibt motivierten Ärztinnen und Ärzten, die auch im hohen Alter noch für ihre Patientinnen und Patienten sorgen wollen, nur der Wechsel zum Wahlarzt oder die Pension. Die Patientenversorgung darf aber nicht vom Kalenderjahr abhängig sein.

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