Seniorenpolitik ist Gesellschaftspolitik!

Die kommenden gesellschaftlichen Herausforderungen reichen von Umweltschutz und Klimawandel über Mobilität und die sich im Umbruch befindliche Arbeitswelt bis hin zur Zukunft der Pflege und dem Kampf gegen Altersdiskriminierung. Das sind alles Themen, die die ältere Generation direkt betreffen. Damit sind unsere Forderungen keine Klientelpolitik, sondern zukunftsweisend.

Wir sind Wirtschaftsfaktor!

Darum muss endlich der Paradigmenwechsel auf das Bild der Seniorinnen und Senioren vollzogen werden, wofür ich seit Jahren kämpfe. Denn wir sind nicht „die Alten“, sondern ein wichtiger Teil der Gesellschaft, ohne den die Herausforderungen der Zukunft nicht bewältigt werden können. Denn die Seniorinnen und Senioren werden nicht nur immer mehr, sondern auch immer wichtiger. Sie sind bereits:

  • Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Die Generation 60+ ist weltweit gesehen die drittgrößte Wirtschaftsmacht nach China und den USA. In Österreich sind wir mit 50 Mrd. Euro jährlich für ein Viertel des gesamten privaten Konsums verantwortlich, womit wir vor allem lokale Dienstleister unterstützen. Außerdem entfallen mehr als 20% der in 2021 gegründeten Einzelunternehmen auf die Generation 50+.
  • Eine tragende Säule des Ehrenamts: Die Generation 60+ leistet jährlich ehrenamtliche Arbeit im Gegenwert von 2,5 Mrd. Euro und Angehörigenpflege im Gegenwert von 6 Mrd. Euro. Diese 8,5 Mrd. Euro an unbezahlter Arbeit könnten fast das gesamte Bundesbudget für Arbeit (in 2023 9,3 Mrd. Euro) finanzieren.

Es ist eine Mär, dass Älteren der Umweltschutz kein großes Anliegen ist. Im Gegenteil: Die ersten Umweltbewegungen sind aus der Babyboomer-Generation entstanden. Was heute „Fridays for Future“ ist, war früher die Besetzung der Au in Hainburg oder der Protest gegen das AKW Zwentendorf.

Außerdem wurden wir zu Recycling erzogen, reparieren statt wegwerfen war bei uns Alltag. Zwar tragen die Senioren durch den verschwenderischen Umgang mit Ressourcen im Zuge des Aufschwungs der 1960er eine Mitverantwortung an der Situation. Das geschah jedoch aus Unwissenheit, nicht aus Unverantwortlichkeit. Außerdem hat unsere Arbeit den Wohlstand der Jugend aufgebaut und ihr zivilgesellschaftliches Engagement ermöglicht.

Vor allem Senioren sind aufgrund ihres Alters, ihrer Lebensumstände und der hohen Armutsgefährdung eine Hochrisikogruppe des Klimawandels. Der Klimawandel verringert die Chance, gesund zu altern! Wir brauchen deshalb neue Konzepte in vielen Lebensbereichen und müssen uns von althergebrachten Herangehensweisen trennen:

  • Bauweisen: Barrierefreiheit stärker integrieren.
  • Raumplanung: Mehr Grünraum und offene Architektur, um Kühlungseffekte zu erzeugen.
  • Infrastruktur: Gesundheits- und Nahversorgung auf Ortskerne ausrichten, Breitbandausbau.
  • Verkehrsinfrastruktur: umweltfreundliche Mobilität; innovative Lösungen für öffentlichen Verkehr und Individualverkehr.

Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist nicht nur für den Klimaschutz wichtig, sondern betrifft auch viele ältere Menschen, die am Land leben und derzeit mangels Alternativen auf das Auto angewiesen sind. Bessere Mobilität erhöht die Selbstständigkeit im Alter und bekämpft Einsamkeit. Ich schlage als erste Schritte vor:

  • Mehr Buslinien, kürzere Intervalle, mehr Flexibilität (Fahrpläne orientieren sich derzeit vorrangig an Schülern und Berufstätigen).
  • Ausbau innovativer Lösungen für den Individualverkehr (z.B. Carsharing).

Derzeit sind rund 88.000 Pensionisten erwerbstätig, Tendenz stark steigend. Ältere und pensionierte Arbeitskräfte stellen einen wichtigen Expertenpool dar, auf den die Wirtschaft vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels nicht verzichten kann. Gleichzeitig müssen wir die Angleichung des faktischen an den gesetzlichen Pensionsantritt vorantreiben und Frauen mehr Alternativen und Aufklärung zur „Teilzeitfalle“ bieten. Darum fordere ich für einen zukunftsfitten Arbeitsmarkt 50+:

  • Gesundheitsprävention und mehr Aufklärung über die Folgen von dauerhafter Teilzeitarbeit.
  • Automatisches Pensionssplitting: Maßnahme für Gerechtigkeit & gegen Frauen-Altersarmut.
  • Angleichung und Erhöhung von Bonus (derzeit 4,2% p.a.) und Malus (derzeit 5,1% p.a.) bei der Korridorpension.
  • Pensionsbeiträge für arbeitende Pensionisten (derzeit bis zu 22,8%) abschaffen, um Arbeit in der Pension attraktiver zu machen.

Pflege wird uns alle früher oder später betreffen und ist somit für alle wichtig. Darum rufe ich dazu auf, die Sozialpartnergespräche zur Pflegereform rasch wieder aufzunehmen. Dabei geht es mir konkret um zwei Kernbereiche:

  • Finanzierung aus einer Hand als Grundstein für die nachhaltige Zukunft der Pflege.
  • Leistbare Pflege in jedem Bundesland: Derzeit betragen die Kostenunterschiede für Pflegeleistungen zwischen Bundesländern bis zu 100 Prozent, das muss sich ändern!

Altersdiskriminierung ist noch in vielen Bereichen vorherrschend und betrifft auch andere Gruppen als Seniorinnen und Senioren. Das Fehlen von Bankomaten und Filialen betrifft beispielsweise auch junge Mütter, alleinstehende Menschen und viele andere. Somit profitieren auch andere Gruppen davon, wenn Altersdiskriminierung bekämpft wird.

Mit dem Ende der Altersdiskriminierung bei der Kreditvergabe haben wir einen Meilenstein für mehr Selbstbestimmung im Alter erreicht. Dieser Erfolg dient mir als Vorbild für mein nächstes Ziel: Die Abschaffung von Altersdiskriminierung im Versicherungsbereich! Oftmals werden Prämien ab einem gewissen Alter automatisch angehoben. Das gilt vor allem bei Autoversicherungen. Auch hier muss gelten: Die Versicherungsprämie ist eine Frage der individuellen Unfallhistorie, nicht des Alters!

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