Aktiv bleiben für gesunde Jahre - Bundessportreferent Walter Berger im Interview

Bewegung macht vor allem in einer Gemeinschaft wie dem Seniorenbund Freude, meint Bundessportreferent Walter Berger im Interview.

Bewegung und Sport haben für dich offensichtlich einen hohen Stellenwert im Leben. Wie sieht dein sportlicher Werdegang bis hin zum Bundessportreferent des Seniorenbundes aus?

Walter Berger: Als Jugendlicher habe ich schon früh mit Fußball begonnen, später den Berufsweg als Sportlehrer eingeschlagen, um Kinder und Jugendliche zur Bewegung zu motivieren. Daneben habe ich verschiedene Trainerausbildungen absolviert und bin früh ins Vereinswesen eingestiegen, das reichte bis zum Landesvizepräsidenten der Sportunion Oberösterreich. Eine Woche vor meinem Pensionsantritt haben mich Landesobmann Sepp Pühringer und Landesgeschäftsführer Franz Ebner gebeten, den Seniorensport in Oberösterreich zu übernehmen, was ich nach kurzer Bedenkzeit sehr gerne getan und nie bereut habe.

Was ist dein Motto, was Bewegung und Sport anbelangt?

Man muss selbst etwas dafür tun, länger gesunde und gewonnene Jahre genießen zu können. Es ist nie zu spät, mit gezieltem Training zu beginnen.

Welche Rolle spielt der Seniorenbund dabei?

Eine zentrale Rolle. Wir bieten den Seniorinnen und Senioren mit verschiedensten Sportarten Unterstützung dabei, selbst aktiv und fit zu bleiben. Es soll für jede und jeden etwas dabei sein. Darüber hinaus bilden wir Übungsleiterinnen und Übungsleiter aus, die in den Ortsgruppen mit den Mitgliedern und Interessierten gemeinsam Turnen. Auch größere Sportveranstaltungen, Aktivwochen und bundesweite Sportturniere sollen zur gemeinsamen Bewegung anregen.

Also nach dem Motto „Gemeinsam macht es mehr Spaß als alleine?“

Ganz genau! Das Gesellige und das Sportliche sind eng miteinander verbunden. Das gemeinsame Zusammensitzen nach einem Wandertag gehört genauso dazu wie das Wandern selbst. In Summe sagt man sich dann „Das war eine tolle Veranstaltung“ und geht mit einer ganz anderen, positiveren Einstellung heim. Sportlichkeit und Aktivität sind zu großen Teilen Kopfsache. Allein grübelt man vielleicht oft über die eigenen Krankheiten und Beschwerden – in der Gruppe wird nie über sowas geredet. Die Leute werden da wieder zu Kindern und blühen auf.

Viele Menschen – unabhängig vom Alter – trauen sich nicht über den ersten Schritt zu mehr Sportlichkeit. Wo siehst du die Hürde?

In der Regel ist der Wille da, aber viele fragen sich „Ich möchte mich bewegen, aber ich weiß nicht, was für mich gesund und richtig ist?“ Wir haben in Oberösterreich 2019 mit dem Fitpass eine Gesundheitsbroschüre herausgegeben, die unter dem Motto „Mit Freude bewegen – gesünder leben“ steht. Darin sind – wie in der „Fit und G’sund“-Broschüre – auch Kraft-, Ausdauer und Koordinationsübungen enthalten, die genau beschrieben sind. Mittels QR-Code gelangt man auch zum dazugehörigen Fitnessvideo. Wir waren im Seniorenbund quasi die Vorreiter von „Fit mit Philipp“ (lacht).

Als zweiten Schwerpunkt haben wir den Radsport ausgebaut, mit einer eigenen Broschüre sowie E-Bike-Schulungen, die mehr als 400 Teilnehmer zählen. Das steigert nicht nur die Sportlichkeit, sondern verringert auch Radunfälle.

Gibt es einen Zeitpunkt, ab dem man es „verpasst“ hat, aktiver und sportlicher zu werden?

Ganz klar: Nein! Es ist nie zu spät, anzufangen, mehr für seinen Körper zu tun. Auch ein 80-Jähriger kann mit Krafttraining noch Verbesserungen erzielen. Viele Übungen können auch in verschiedenen Intensitäten ausgeführt werden, zum Beispiel mit weniger Gewicht oder im Sitzen. Es strengt natürlich an, aber es darf nie so viel sein, dass man die Motivation und den Mut verliert.

Ein Schlüssel ist auch die Alltagsbewegung. In kleinen Dosen, dort, wo es möglich ist, trainiert man den Körper quasi von selbst. Das reicht vom Treppensteigen bis hin, Wege zu Fuß statt mit dem Bus zu gehen, auch kleine Strecken sind schon effektiv.

Bewegung nützt nicht nur dem Körper.

Viele merken, wie gut sie sich dann nicht nur körperlich, sondern auch seelisch fühlen. Das ändert die ganze Lebenseinstellung ins Positive. Sport wird dann auch nicht mehr als anstrengend, sondern als Bereicherung empfunden.

Wie kann man die Seniorinnen und Senioren erreichen, die noch nicht so aktiv sind oder nicht glauben, dass sie das können?

Dazu braucht es Multiplikatoren, die das Vorleben und anderen zeigen, denn wenn die Menschen sehen, wie toll das ist, wollen sie meist gleich selbst mitmachen. Egal ob gemeinsame Turnstunden oder Wandern – Hauptsache, wir können die ältere Generation dazu anregen, mehr für den eigenen Körper zu tun. Das trägt zur Gesundheit bei und bringt vor allem Lebensqualität.

Wie siehst du die allgemeine Fitness im Seniorenbund?

Die, die dabei sind, sind mit Freude dabei und topfit, das erlebe ich immer wieder, besonders bei unseren vier Turniersportarten. Beim Tennis ist es beachtlich, wie viel Präzision die Seniorinnen und Senioren noch haben. Beim Skifahren brettern auch noch weit über 80-Jährige die Pisten hinab, aber ohne sich zu übernehmen. Da sind gerade die Älteren vorsichtiger und realistischer.

Man darf die Intensität der Sportarten auch nicht unterschätzen. Kegeln beispielsweise braucht viel Kraft, um 50 bis 60 Schübe hintereinander zu schaffen – und Golf verlangt nicht nur Konzentration, Koordination und Disziplin, man legt in einer Partie auch mal zehn Kilometer zu Fuß zurück.

Welche Ziele setzt du dir als Bundessportreferent für den Seniorenbund?

Ich finde es ganz wichtig, den Austausch zwischen den Ländern weiter zu fördern, damit wir gemeinsam unsere besten Ideen nutzen und voneinander profitieren können. Außerdem möchte ich mit den Landessportreferenten ausloten, inwieweit wir unsere Angebote ausbauen können. Die Landesorganisationen bieten ein unglaublich breites Sportangebot an, das weit über unsere vier Turniersportarten hinausgeht. Da wären etwa Radfahren, Wandern, Nordic Walking – und Tanzen, das kommt ganz besonders gut an. Dafür braucht es Koordination, man muss sich die Schritte merken, der ganze Körper wird in Bewegung versetzt und das Zwischenmenschliche kommt dabei natürlich auch nicht zu kurz.

Das Wichtigste bleibt dabei immer: Unsere Mitglieder motivieren, damit sie fit bleiben und mehr gesunde Jahre genießen können.

Vielen Dank für das Gespräch!

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