2018: Ein Gedenkjahr mit vielen Meilensteinen.

Österreich begeht heuer ein großes Gedenkjahr. Es beginnt in diesen Tagen mit der Erinnerung an den 11. März 1938. Österreich kann dem Druck von Nazi-Deutschland nicht mehr standhalten und muss eine für den 13. März anberaumte Volksabstimmung absagen. Der amtierende Bundeskanzler Kurt Schuschnigg schließt das Kapitel der Ersten Republik in seiner Radioansprache mit den legendären Worten: „Gott schütze Österreich“. Am Tag darauf marschiert Adolf Hitler ein und es beginnt eine mehr als siebenjährige Leidensgeschichte.

Die Monarchie ist im November 1918 Geschichte – die Erste Republik im März 1938.

Den Schlusspunkt setzt der November. Vor 100 Jahren neigt sich der Erste Weltkrieg seinem Ende zu. Am 3. November 1918 muss Kaiser Karl in der Villa Giusti bei Padua den Waffenstillstand unterzeichnen, am 11. November verzichtet er auf jegliche Teilnahme an den Staatsgeschäften, am Tag darauf wird in Wien die Republik „Deutsch-Österreich“ ausgerufen. Mit den USA und der Sowjetunion treten zwei neue Weltmächte auf, die das alte Europa ablösen. Für Österreich beginnt mit dem Zerfall der Monarchie, die 636 Jahre das Land, den Kontinent und seine Menschen prägte, ein Überlebenskampf, der auch zu einer innenpolitischen Konfrontation führt.

Allerdings, das 2018er Jahr kennt noch eine ganze Reihe anderer historischer Gedenktage, die Aufmerksamkeit verdienen.

Vom Geburtstag des christlichen Arbeitnehmer-Pioniers 1818 bis zur Revolution 1848.

Vor 200 Jahren – am 3. September 1818 – kommt in Schlesien Karl von Vogelsang zur Welt. Er zieht durch deutsche Lande, ehe er nach Wien kommt und hier zu einem Wegbereiter der christlichen Arbeitnehmerbewegung wird. Der von ihm geprägte politische Begriff der „Partnerschaft“ ist das Gegenmodell zum „Klassenkampf“. Ein Begriff von dem der SP-Ideologe Norbert Leser einmal sagen wird, dass die Volksparteien um ihn zu beneiden sind, weil er aus dem ideologischen Wettstreit als Sieger hervorgegangen ist.
Angesichts der Revolution von 1848 flieht der Wiener Hof im Oktober nach Olmütz und der Reichstag nach Krems. Hier wird eine neue, fortschrittliche Verfassung konzipiert, die Volkssouveränität festgeschrieben. Sie trat aber nie in Kraft. Wäre das geschehen, hätte die Geschichte des Habsburger-Reiches wohl einen anderen Lauf genommen. So aber erfüllte sich das Wort von Franz Grillparzer: „Auf halben Wegen und zu halber Tat, mit halben Mitteln zauderhaft zu streben“. Eine beinahe österreichische Kennmelodie.

Ein Blick hinter den eisernen Vorhang: die Moskauer Deklaration 1943 und der Prager Frühling 1968.

Vor 75 Jahren – am 30. Oktober 1943 - wird mit der Moskauer Deklaration Österreich zugestanden, erstes Opfer des Nationalsozialismus zu sein. Allzu lange vergisst man hierzulande den Folgesatz, nämlich, dass das Land nicht nur Opfer war, sondern auch Täter hatte.
1968 ist nicht nur das Jahr der Studentenrevolten. Es ist auch das Jahr, da der Traum von einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz platzte. Nach Ostberlin 1953, Ungarn 1956 versucht eine weitere Volksdemokratie sich von den Fesseln einer kommunistischen Diktatur zu befreien. Der Aufstand wird am 21. August mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen niedergewälzt. Es war übrigens der ORF, der damals mit seiner Echt-Zeit- Berichterstattung, die Welt an der Authentizität dieser Ereignisse teilnehmen ließ und Bewusstsein schuf. Für die vielen Dissidenten, die sich nicht unterkriegen ließen.

1978 – Hans Krankl schreibt in Cordoba Geschichte. Und Karol Woytila in Rom.

Am 21. Juni schreibt Hans Krankl österreichische Sportgeschichte: Mit seinem Siegestor gegen die Bundesrepublik Deutschland wird der Mythos Cordoba geboren und Johann K. zur Legende. Am 16. Oktober 1978 wird der polnische Bischof Karl Woytila zum Papst gewählt. Viele rätseln, wie es dazu wohl kam, dass ein Mann aus dem Ostblock an die Spitze der Kirche gewählt wird. Er wird alsbald zum Hoffnungsträger von Millionen Menschen, inspiriert zur Gründung der unabhängigen polnischen Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“, die schließlich zum Bazillus wird, dem die KP-Regime im Osten Europas reihenweise zum Opfer fallen. Und Österreich vom Rand in die Mitte Europas rücken lassen. Dort stehen wir heute.

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