​​​​​​​Die entscheidende Wende bei lebenswichtigen Entscheidungen: die Patientenverfügung vereinfachen!

Zugegeben, es ist ein sehr sensibles, persönliches Thema. Die hohe Lebenserwartung ist auch ein Erfolg der modernen Medizin. Sie hat es möglich gemacht, dass nach schweren Unfällen oder bei unheilbar scheinenden Erkrankungen, lebensrettende und lebensverlängernde Maßnahmen gesetzt werden können, die früher undenkbar waren. Die Entscheidung, was alles getan werden kann, liegt im Ermessen des Ärzteteams. In vielen Fällen hat der Patient darauf keinen Einfluss mehr, weil er gar nicht aktiv kommunizieren kann oder geistig dazu in der Lage ist. In einer solchen Situation ist es für das Behandlungsteam schwierig, sich für jene Maßnahmen zu entscheiden, die auch im Sinne des Patienten liegen.

Im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen treffen.

Seit 2006 gibt es in Österreich ein Gesetz, mit dem den Patienten eine gewisse Autonomie eingeräumt wird. Mit einer sogenannten „Patientenverfügung“ kann eigenständig festgelegt werden, welche medizinischen Behandlungen im Fall eines Unfalles oder einer unheilbaren Krankheit, wenn man selbst nicht mehr entscheidungsfähig ist, zu unterlassen sind. Diesbezüglich gibt es zwei Varianten, nämlich die verbindliche und die beachtliche Patientenverfügung:

  • Bei der ersten Variante sind Arzt, Pflegeteam, Angehörige, allenfalls der Sachwalter an die Vorgabe durch den Patienten verbindlich gebunden.
  • Bei der zweiten Variante sind die Beteiligten daran nicht unbedingt gebunden, haben also einen eigenen Ermessensspielraum.

An sich wird von dieser Form der Patientenautonomie bislang nur selten Gebrauch gemacht. Und das ist nicht nur eine Frage mangelnden Wissens über die seit über 10 Jahren bestehende Möglichkeit, eine entsprechende Verfügung im Voraus zu treffen. Vielmehr sind strenge Formvorschriften sowie hohe Anwalts-, Notar- und Arztkosten ein Hemmschuh. Damit eine Patientenverfügung rechtlich verbindlich wird, muss nämlich eine ärztliche und juristische Beratung in Anspruch genommen werden.

Machen wir es den Menschen einfacher – die Entscheidungen sind schwer genug

Den Zugang zur Erlangung einer Patientenverfügung zu vereinfachen, zu entbürokratisieren und die Kosten dafür zu senken, ist eine langjährige Forderung des Seniorenbundes. Ihr soll nun Rechnung getragen werden. Noch im Frühjahr will die Gesundheitsministerin einen Gesetzesvorschlag vorlegen, um das Procedere zu vereinfachen. So soll die Verfügung, die nach sieben Jahren erlischt, automatisch also ohne Notar verlängert werden können. Zudem soll mit der Registrierung auf der eCard und im ELGA-System der Zugriff für Ärzte und Patienten selbst erleichtert werden.

Grundsätzlich geht es bei der Patientenverfügung (Formular siehe Beilage) darum, auch bei einer möglichen eingeschränkten Situation eine selbstbestimmte Lebensgestaltung sicherzustellen. Ingrid Korosec bringt es auf den Punkt: „Der Patient erhält so die Gewissheit, dass sein Wille auch in außergewöhnlichen Lebenslagen respektiert wird. Ärzten und Angehörigen wiederum wird die Sicherheit gegeben, genau das zu tun, was im Interesse des Patienten liegt. Damit bleibt die Würde auch am Ende des Lebens gewahrt und wir können uns sicher sein, dass unsere Entscheidungen auch bis zur allerletzten Sekunde respektiert werden“.

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