Es geht um die „Europäische Leitkultur“

Portrait von Ingrid Korosec

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Es geht um die „Europäische Leitkultur“

Das Profil Europas wird von einer „Leitkultur“ geprägt. Und diese „europäische Leitkultur“ kennt drei unverrückbare Grundpfeiler. Sie tragen die Namen Athen, Rom und Jerusalem. Sie stehen für die Wiege der Demokratie, des Rechtswesens und des Christentums.

Daraus hat sich innerhalb von 2.500 Jahren eine gesellschaftliche Kultur entwickelt, die Europa zu einem der begehrenswertesten Kontinente geformt hat. Eine funktionierende parlamentarische Demokratie, die Achtung der Grund- und Freiheitsrechte, ein Leben und Frieden und sozialer Sicherheit sind zum Charakteristikum der Europäischen Union geworden. Diesen Standard gilt es zu bewahren und behutsam weiterzuentwickeln.

Kopftuch als Zeichen eines kämpferischen Islam

Das gilt es vorauszuschicken, um in eine ganz aktuelle Diskussion einzusteigen, die der Auftrag von Bundeskanzler Sebastian Kurz ausgelöst hat, wonach die für Bildungs-, Frauen- und Integrationsfragen zuständigen Ministerien umgehend ein Gesetz auszuarbeiten haben, um ein Kopftuchverbot an Volksschulen und Kindergärten zu erlassen.

Hier geht es wahrlich nicht um eine Einschränkung der Religionsfreiheit, wie dies jetzt von manchen Kritikern an dieser Maßnahme behauptet wird. Sehen wir uns doch nur um und wir werden feststellen müssen, dass das Kopftuch in den letzten Jahren zu einem Zeichen für einen kämpferischen Islam wurde.

Das hat Ende der 1970er Jahre mit der islamischen Revolution im damaligen Persien, dem heutigen Iran begonnen. Und zeigt sich seit mehreren Jahren in der Türkei, wo jungen Mädchen sogar Geld geboten wird, wenn sie frühzeitig mit dem Tragen eines Kopftuches beginnen.

Auch bei uns in Österreich können wir verfolgen, dass das Kopftuchtragen zu einem demonstrativen Akt wurde. Und zwar bereits in den Volksschulen, ja sogar in den Kindergärten. Dabei bedarf es sogar laut Islamexperten erst der „geistigen und körperlichen Reife“, dass ein strenggläubig erzogenes Kind auch zum Kopftuchtragen verpflichtet ist. Im Regelfall beginnt das bei den Mädchen im Alter von etwa zwölf Jahren.

Integration ist keine Einbahnstraße. Eine lebendige Gesellschaft muss bereit sein, Bürger aus fremden Ländern und Kulturen mit Offenheit und Toleranz aufzunehmen. Aber auch die neu zugezogenen Bürger müssen sich ihrer neuen Umgebung anpassen (ohne deswegen Herkunft und Religion zu verleugnen).

Das heutige Europa wäre ohne die ständige kulturelle Bereicherung unvorstellbar. Das friedliche Zusammenleben verlangt aber auch, dass man keine Parallelwelten entstehen lässt, weil diese letztlich nur zu Konfrontationen führen.

Dem entgegenzuwirken muss frühzeitig begonnen werden. Im Kindergarten- und im Volksschulalter.

Moderne Medien fördern Parallelwelt

Bei den Erwachsenen, den Eltern dieser Kinder haben wir es ohnedies heute mit dem Phänomen zu tun, dass sie ihre Medienwelt dank Smart Phone, Internet und Satellitenfernsehen mit in die neue Heimat nehmen. Und hier in einer Wohnumgebung leben, die sich vom alten Zuhause nicht viel unterscheidet. Von den Nachbarn über den Nahversorger bis hin zum islamischen Kindergarten. Und sie alle pflegen ihr vertrautes Gesellschaftsverständnis weiter.

Sehr schnell erfahren sie zwar, welches soziales Netz ihnen in Österreich, welches Lebensumfeld ihnen in Europa geboten wird, bloß über das was in der Welt passiert erfahren sie noch immer aus TV-Sendungen und Nachrichten über Internet, die tausende Kilometer entfernt zwischen Afghanistan und der Türkei produziert werden. Und der arabische Sender „Al Jazeera“ sitzt sogar bereits am Balkan in Sarajewo.

Als vor gut 100 Jahren aus allen Teilen der Monarchie die Menschen in die Reichshauptstadt Wien strömten, waren die Verbindungen zur alten Heimat bald gerissen. Es gab weder Fernsehen, noch Radio und so gut wie kein Telefon. Die Zeitungen konnte man erst lesen, wenn man einigermaßen Deutsch verstand. Die einzige Verbindung nach Haus bestand damals darin, auf einen Brief von daheim zu warten. Man hatte kaum eine andere Wahl, als sich zu integrieren.

Heute kann die Integration locker bis zur dritten Generation dauern. Und so viele Probleme hervorrufen. Hier gilt es den Hebel anzusetzen.  

Ihre Meinung zum Thema?

Jetzt anmelden!

Immer auf dem Laufenden bleiben mit unserem Newsletter.