Geschichte lädt zum Besinnen ein

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Thema der Woche: Geschichte lädt zum Besinnen ein

Abschied nehmen ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens. Und trifft jeden von uns im Leben mehrmals. Sei es von Tätigkeiten, Freunden und auch Gewohnheiten. Es soll dies auch ein Moment des Innehaltens sein, um seine Gedanken zu ordnen und wichtige Erinnerungen festzuschreiben, die oft ganz wichtige Weichenstellungen vorgenommen haben.

Es handelt sich dabei oft nicht nur um die großen Ereignisse. Das gilt auch für das heurige Gedenkjahr. So feiern wir in wenigen Tagen zwar den Beginn der republikanischen Geschichte Österreichs, damit verbunden ist aber auch das Ende der mehr als 600 Jahre währenden Herrschaft des Hauses Habsburg. Ein Beispiel, das zeigt, wie Abschied und Neubeginn ganz eng beisammen liegen.

Was man dabei nicht vergessen sollte: Schon unter den Habsburgern gab es in ihrem Reich - zuletzt das flächenmäßig zweitgrößte Land Europas - jene Grundfreiheiten, die heute ein Kernstück der EU sind. Nämlich einen freien Warenverkehr, einen freien Personenverkehr und eine gemeinsame Währung.

Partnerschaft siegte über Klassenkampf

Im heurigen Jahr gedachte angesichts dessen 200sten Geburtstag die Welt des Ideologen Karl Marx. Seine politischen Thesen haben nicht nur wesentliche Impulse gesetzt, um für die legitimen Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Anerkennung und Gleichberechtigung zu sorgen, sie haben letztlich auch viele Machthaber verführt, Missbrauch zu betreiben, Menschenrechte zu missachten, Kriege zu führen.

Ebenfalls vor 200 Jahren wurde Karl Vogelsang geboren. Hier in Österreich wurde er zu einem der großen Reformer, leistete wesentliche Beiträge für die christliche Soziallehre. Und er schrieb nicht die Konfrontation auf seine Fahnen, sondern prägte in seinen Lehren den Begriff der Partnerschaft. Es war der sozialdemokratische Sozialphilosoph Norbert Leser, der festhielt: Die Volkspartei sei um diesen Leitbegriff zu beneiden, denn letztlich habe die Partnerschaft über den Klassenkampf gesiegt.

Ein für Europa wegweisender Papst

Dazu hat ein Ereignis mit beigetragen, das sich vor 40 Jahren zutrug. Damals stieg über den Dächern des Vatikans weißer Rauch in den Himmel. Wenig später war die Welt erstaunt, dass gerade mitten in der Zeit des Kalten Kriegs ein Bischof aus dem kommunistischen Polen zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde: Johannes Paul II

Tatsächlich wurde dieser Papst zum Hoffnungsträger für die unterdrückten Menschen im Ostblock. Von Polen über die Tschechoslowakei bis nach Kroatien. In seiner Heimat selbst entstand eine unabhängige Gewerkschaftsbewegung. So sehr Moskau auf seinem Machtanspruch beharrte, letztlich hatte man Angst vor der Macht des polnischen Papstes und scheute vor der letzten Konsequenz zurück. Mit dem Effekt, dass ein Erosionsprozess im Ostblock einsetzte, an dessen Ende das gesamte System wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrach. Ein Europa, das heute vom Atlantik bis an die Westgrenze Russlands reicht, ist auch sein Verdienst.

Zum Innehalten gehört auch das Nachdenken. Und dass man Erfahrung sammelt. Aus der Geschichte kann man lernen. Geschichte wiederholt sich nicht wirklich. Mit einer Einschränkung: Sehr wohl aber wiederholt sich immer wieder das Verhalten der Menschen. Das erleben wir nicht nur in der Politik, sondern auch in unserem eigenen persönlichen Umfeld immer wieder.

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