Mobilitätsplattform – keine Zukunftsmusik mehr

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Mobilitätsplattform – keine Zukunftsmusik mehr

Längst gibt es weder Flug- noch Eisenbahnfahrpläne in gedruckter Form. Wer sich informieren will, wie man mit dem Flugzeug, der Bahn oder dem Bus unterwegs sein kann, muss einen Blick auf eine entsprechende Internet-Plattform werfen. Viele nutzen bei dieser Gelegenheit auch gleich die Möglichkeit, sich nicht nur die passende Verbindung herauszusuchen, sondern auch noch das Ticket zu buchen.

War es früher fast selbstverständlich, vor dem Antritt einer Reise, eine Landkarte zu studieren, um den Weg ans erwünschte Ziel ausfindig zu machen, so reicht es heute, das Ziel in das Navi einzugeben. Und schon wird man von einer netten Frauen- oder Männerstimme über die Straßen geleitet. Dass man mitunter in einer Sackgasse landet, ist jene Fehlanfälligkeit, von der auch die Technik nicht verschont bleibt.

Jeder Verkehrsträger, von den ÖBB über die jeweiligen städtischen Verkehrsbetriebe bis hin zum ÖAMTC hat mittlerweile seine eigene Internet-Plattform. Bei aller Wertschätzung für die Individualität, der nächste Schritt ist unausbleiblich und befindet sich auch schon in Vorbereitung. Es ist die Schaffung einer so genannten umfassenden Mobilitätsplattform.

Mangel an Netzdichte

Erst vor kurzem hat die Studie eines Schweizer Forschungsinstitutes ergeben, dass zwar in Österreich die öffentlichen Verkehrsmittel in punkto Pünktlichkeit und Sauberkeit Spitze sind, es aber vor allem an der Netzdichte hapert.

Genau dies ist aber ein Punkt, der besonders die ältere Generation betrifft. Autofahren wird mit dem Alter zunehmend schwieriger. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass sich Wahrnehmung und Reaktionszeit verschlechtern. Dazu kommt auch noch ein Gefühl der Unsicherheit, das sich vor allem im dichten Stadtverkehr oder auf den stark frequentierten Autobahnen zeigt.

Gerade die private Mobilität, die nicht abhängig von Hilfsdiensten ist, um die man Familienmitglieder oder Freunde bitten muss, ist prinzipiell wichtig für das Lebensgefühl und die Lebensqualität älterer Menschen. Wenn man sich durch Jahrzehnte an ein bestimmtes Mobilitätsmuster gewöhnt hat, ist es im Alter mitunter schwierig, dieses zu ändern. Das kann auch den Wechsel, die verstärkte Zuwendung auf öffentliche Verkehrsmittel betreffen. Hier gilt es Hilfestellung zu leisten und die Schaffung digitaler Leitdienste ist geradezu geschaffen, um für eine entsprechende Mobilität zu sorgen.

Augenmerk auf Stadt-Land-Gefälle

Besonders zu berücksichtigen dabei ist die Tatsache, und das hat die Schweizer Studie angesprochen, dass wir in punkto Mobilität ein Stadt-Land-Gefälle haben, zumal in ländlichen Regionen ein flächendeckender öffentlicher Personenverkehr nicht angeboten werden kann. Nun kommt aber hinzu, dass 65 Prozent der Menschen, die älter als 60 sind, am Land oder am Rand von Städten mit schlechter Verkehrsanbindung leben. Auch sie aber wollen Freizeitangebote nützen, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und vor allem auch medizinisch bedingte Termine wahrnehmen, die nicht unbedingt in Gehweite liegen.

Hier ist Mobilität angesagt. Dass gleich 57 Prozent bei einem entsprechend attraktiverem Angebot auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen würden, ist geradezu ein Auftrag an die Politik, für die rasche Etablierung einer digitalen Mobilitätsplattform zu sorgen. Konkret geht es hier darum, die verschiedenen Mobilitätsangebote, von Schiene und Straße, von öffentlichen und privaten Verkehrsdiensten, von Car-Sharing, Shuttle-Diensten und Ruf-Taxis zu vernetzen, damit übersichtlich, leicht zu handhaben und vor allem nutzbar zu machen. Das ist angewandte Digitalisierung, die uns mobiler werden lässt!

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