Moderne Seniorenpolitik muss ins Regierungsprogramm!

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Montagvormittag hat Sebastian Kurz den Startschuss für Koalitionsverhandlungen gegeben. Dies ist jedoch erst der Anfang eines langen Weges zur Regierungsbildung, der noch ergebnisoffen ist. Gewissheit, wie die künftige Regierung aussehen wird, kann es daher noch nicht geben. Jedenfalls hat Sebastian Kurz den geschlossenen Rückhalt der Neuen Volkspartei. Ich werde mich dafür einsetzen, dass das künftige Regierungsprogramm auch die Handschrift der älteren Generation trägt. Denn eine moderne Seniorenpolitik muss Teil der kommenden Regierungsarbeit sein! Diese betrifft alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, von denen ich nur einige wichtige nennen möchte:

Politische Mitbestimmung

Die Generation 60+ hat die Nationalratswahl entschieden. Wir sind eine starke und wichtige gesellschaftliche Gruppe. Arbeitskraft, Qualifikationen und Erfahrung Älterer stellen zudem ein unglaubliches Potential dar. Daher haben ältere Menschen Anspruch auf volle gesellschaftliche Teilhabe, beispielsweise an Politik, Kultur, dem Arbeitsmarkt und sozialen Aktivitäten. Es braucht gesellschaftliches Umdenken: Ältere Menschen verursachen nicht Kosten, sondern tragen entscheidend zur Wertschöpfung bei.

Digitalisierung

Digitalisierung ist ein wichtiger und unausweichlicher Fortschritt unserer Gesellschaft. Die Generation 60+ ist neugierig, wird digitaler und technikaffiner. Dies muss konsequent unterstützt werden, damit sich die digitalen Kompetenzen der Seniorinnen und Senioren weiter schärfen. Außerdem braucht es eine besondere Berücksichtigung älterer Menschen in der Digital-Strategie des Bundes und bei offiziellen Schulungsprogrammen, wie zum Beispiel „fit4internet“.

Arbeit und Pensionen

Ältere Menschen bergen ein großes Potenzial an Erfahrungen und Kompetenzen, die von Unternehmen noch nicht ausreichend genutzt werden. Sie werden in die Pension gedrängt oder es fehlen die richtigen Bedingungen, um länger zu arbeiten. Es braucht daher eine Adaptierung der Arbeitswelt an die Bedürfnisse der älteren Generation. Zusätzlich sind Anreize für all jene, die länger arbeiten wollen, wichtig, etwa die Abschaffung der Pensionsbeiträge bei Bezug einer Alterspension.

Auch die Sicherung eines stabilen und nachhaltigen Pensionssystems muss oberste Priorität haben. Älteren Menschen muss es möglich sein, im Ruhestand ihren Lebensstandard aufrechterhalten zu können. Dazu braucht es unter anderem eine Stärkung der Betriebspensionen und ein aktives Pensionssplitting, um insbesondere Frauen vor Altersarmut zu schützen.

Gesundheit und Pflege

Prävention und Rehabilitation sind wichtige Voraussetzungen, um die Gesundheit im Alter zu erhalten. Das verringert die Gefahr der Pflegebedürftigkeit und wirkt kostendämpfend. Der älteren Generation muss es möglich sein, aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Wir fordern daher erneut den Rechtsanspruch auf Rehabilitation und Kuraufenthalt für Pensionistinnen und Pensionisten. Dazu braucht es eine dringende Aufwertung und Stützung des niedergelassenen Bereichs, um dem strukturellen Mangel an Kassenärzten entgegenzuwirken.

Eine umfassende Pflegereform ist für mich weiterhin das Gebot der Stunde. Schwerpunkte müssen dabei die Finanzierung aus einer Hand und einheitliche Leistungen, ein Ausbau mobiler Dienste, die Entlastung pflegender Angehöriger und eine Sicherung der Pflege als Teil der Sozialversicherung sein.

Klimaschutz und Mobilität

Der Klimawandel macht sich in Österreich deutlich bemerkbar: 2018 starben 766 Menschen, meistens Seniorinnen und Senioren, an der Hitze. Diese erhöhte Gefahr für die ältere Generation muss in einem Hitze-Notfallplan unbedingt eine besondere Berücksichtigung erfahren. Im Rahmen von Klimaschutzmaßnahmen wird auch ein flächendeckender Ausbau des öffentlichen Verkehrs unumgänglich. Mobilität ist gerade für ältere Menschen eine Grundvoraussetzung, um die eigene Selbstständigkeit zu erhalten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Nicht nur muss die Öffi-Planung die Bedürfnisse der älteren Generation berücksichtigen – das Gleiche gilt auch für Raumplanung und Infrastruktur, also die Reaktivierung von Ortszentren und das Sicherstellen einer Nahversorgung mit kurzen Wegen.

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