Nicht umsonst heißt es „Muttersprache“

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Nicht umsonst heißt es „Muttersprache"

Bedingt durch die tiefgreifenden Veränderungen in unserer Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten, gerade was das neue Selbstwertgefühl der Frauen betrifft, hat sich auch das Rollenbild der Mutter verändert. So liegt aufgrund der Berufstätigkeit der Frauen die Erziehung der Kinder nicht nur in ihren Händen, sondern auch jener der Männer. Und dort wo beide Elternteile beruflich engagiert sind, kommt oftmals zudem den Großeltern eine beachtliche Aufgabe zu.

Die Politik muss dieser Entwicklung Rechnung tragen. Und sie tut dies. In den letzten Wochen wurde dabei die Tatsache unterbelichtet, dass gerade im Regierungsprogramm der Frau und der Mutter eine große Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Frau und Mutter im Regierungsprogramm

Man belässt es dabei keinesfalls bei altbekannten Formulierungen, wie die „Familien sind das Fundament unserer Gesellschaft“. Es finden sich darin vielmehr ganz konkrete Maßnahmen, die gesetzt werden sollen (und beim Familiengeld bereits umgesetzt wurden), um für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sorgen sowie die Lebensqualität der Familien zu erhöhen.

Das beginnt mit einem familiengerechten Steuermodell, damit den Familien künftig netto mehr von ihrem hart verdienten Geld bleibt. Das betrifft den flächendeckenden Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten inklusive alternativen Betreuungsformen wie Tagesmütter, Generationenhäuser. Es umfasst die Reform der Schulferienregelungen, um die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Schule zu optimieren. Und reicht bis hin, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Frauen dank Wahlfreiheit und selbständigen Entscheidungsmöglichkeiten ihr individuelles Lebensmodell umsetzen können.

Fühlt sich die Mutter gut, ist sie mit ihren Lebensumständen zufrieden, kann sie ihren beruflichen Anforderungen gerecht werden und die Karrierechancen nützen, ohne dabei in Gewissenskonflikte mit ihren familiären Pflichten zu kommen, dann werden sich auch die Kinder wohlfühlen und entsprechend gut betreut in das Leben hineinwachsen.

Freilich, eines gilt es immer wieder festzuhalten – in Abwandlung eines einstigen Werbeslogans: Mutter kann durch nichts ersetzt werden. Das wissen auch die Männer beziehungsweise sollten es wissen. So sehr sie als Erziehungsfaktor, als Anker- und Bezugspunkt in der Familie gefragt, ja notwendig sind.

Das zeigt sich ganz simpel am Spracherwerb. Nicht umsonst heißt es „Muttersprache“.

Die Mutter als Schlüssel zur Integration

Nehmen wir nur das Beispiel einer Familie her, wo Kinder zweisprachig aufwachsen. Die ersten Worte, die das Kind spricht (und das belegen Untersuchungen) sind jene, die es von der Mutter empfangen hat. Sie ist es auch, die ihr Kind zu Beginn noch am ehesten versteht, wenn es so richtig daher brabbelt, nicht richtig die Laute artikulieren kann. Und auch später, im Regelfall, wird das Kind die Sprache der Mutter flüssiger beherrschen als jene des Vaters.

An dieser Stelle scheint es mir wichtig, ein Wort zur Erziehung der Kinder in Asylanten- und Migrantenfamilien fallen zu lassen. Gerade hier ist es ganz wichtig, dass man ein besonderes Augenmerk auf die Integration der Frauen lenkt. Oder noch direkter gesagt, hier besteht Nachholbedarf. Um dem Wollen und dem Können nachzuhelfen. Erleben wir doch, dass diese Frauen oft zu Hause bleiben, den Mutterpflichten nachgehen, sich um den Haushalt sorgen, kaum mit der so genannten einheimischen Umgebung in Kontakt kommen, weiterhin – auch sprachlich - in ihrer alten Welt leben. Und dies auch ihren Kindern so weitergeben, wodurch diese länger brauchen, um sich der neuen Gesellschaft anzupassen.

Was man von der Mutter hat, das sitzt fest und lässt sich nicht ausreden, sagt ein altes Sprichwort. Und daran gilt es, sich ungeachtet der Veränderungen in unserer Gesellschaft zu orientieren.

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