Pflege als Wirtschaftsfaktor!

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Pflege als Wirtschaftsfaktor!

Wussten Sie, dass…

… die Pflege ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist? Wie überhaupt Pflege kein so genanntes Nischen-Thema ist. Das wiederum betrifft nicht nur die Zahl der Pflegefälle, sondern auch des Pflegepersonals. Dazu muss man sich nur etwas intensiver mit dem zur Verfügung stehenden Zahlenmaterial beschäftigen.

In der zuletzt ausgewiesenen Statistik für das Jahr 2017 wurden knapp zwei Millionen Österreicherinnen und Österreicher zur Generation 60+ gezählt. Was die Pflegegeldbezieher betrifft, so gibt es derzeit rund 455.000 Anspruchsberechtigte. Und da wir zum Glück immer älter werden, steigt der Bedarf nach Pflege in Zukunft. So hat allein zwischen den Jahren 2011 und 2016 die Zahl der zu betreuenden Personen bei den so genannten mobilen Diensten um 19,3 Prozent zugenommen. Und übrigens, die durchschnittliche Pflegedauer beträgt sieben Jahre.

84 Prozent entfallen auf häusliche Pflege

Was das generelle Bild der Pflege betrifft, so liegt der Schwerpunkt bei den eigenen vier Wänden. 84 Prozent der zu pflegenden Menschen leben zu Hause, nur 16 Prozent befinden sich in Heimen. Und alle Prognosen sprechen davon, dass sich dieser Prozentsatz in den nächsten Jahren kaum verschieben wird. Weil die Menschen so lange wie möglich in der gewohnten eigenen Umgebung bleiben wollen.

Die Form der pflegerischen Betreuung bei jenen Menschen, die in den eigenen vier Wänden leben, ist sehr unterschiedlich. Die meiste Pflege-Tätigkeit liegt bei den Angehörigen. Nur fünf Prozent haben eine 24-Stunden-Betreuung. Hier sind es weitgehend ausländische Pflegekräfte so aus der Slowakei, Rumänien, Bulgarien und Kroatien, die für die Betreuung sorgen. 32 Prozent erfahren schließlich eine Betreuung durch mobile Dienste, freilich oft zusätzlich zu familiären Diensten. Dieser Anteil wird in den nächsten Jahren weiter steigen, vor allem auch um die Angehörigen in den Familienverbänden etwas zu entlasten.

Doppelt so viel Nutzen als Kosten

Aktuell sind über 140.000 Menschen im Pflegebereich beschäftigt, 50.500 davon als 24-Stunden-Pflegerinnen. Bis 2025 wird der Gesamtbedarf an Pflege- und Betreuungspersonal auf über 210.000 Personen steigen. Darüber hinaus sind weitere rund 40 Berufsgruppen (Ärzte, Therapeuten, Putz- und Fahrtendienste, etc.) in Pflege und Betreuung involviert. Daraus erkennt man: Pflege ist nicht nur eine soziale, gemeinschaftliche Verpflichtung unserer Gesellschaft und nicht nur ein Kosten- sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Die Gesamtausgaben für Pflege- und Betreuungsdienste werden mit 3,4 Milliarden Euro beziffert. Allerdings, rechnet man die direkte Wertschöpfung und die indirekten Effekte zusammen, so kommt man auf einen Wertschöpfungseffekt in der Höhe von 5,9 Mrd. Euro. Dazu kommen 1,1 Mrd. Euro, die an Steuern anfallen und 1,3 Mrd. Euro, die der Sozialversicherung zugutekommen.

Mir geht es zum jetzigen Zeitpunkt darum, das Thema Pflege umfassend zu diskutieren, nicht nur von der Finanzierung her: Attraktivierung der Pflegeberufe, Unterstützung für pflegende Angehörige, Pflege zu Hause und damit Ausgestaltung der Pflegestufen 1 bis 4 – das alles gehört gesamtheitlich besprochen. Der Seniorenbund wird sich in den nächsten Wochen und Monaten intensiv in diese Diskussion einbringen!

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