Pflege endlich auch als Lehrberuf etablieren

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Pflege endlich auch als Lehrberuf etablieren

Österreich ist mit Recht stolz auf sein System der „dualen“ Berufsausbildung, das an zwei Lernorten, dem Betrieb und der Berufsschule, erfolgt. Gerade dort, wo in nächster Zukunft ein wachsender Bedarf an Nachwuchskräften besteht, nämlich im Pflegebereich, gibt es dieses Angebot allerdings noch nicht. Jugendliche können derzeit mit Erreichen des 17ten Lebensjahres mit einer Pflegeausbildung beginnen. Weil dies nicht sofort nach Abschluss der Pflichtschulzeit möglich ist, wandern viele in andere Berufe ab.

Schon heute klagen die Hilfsorganisationen über einen Mangel an Pflegekräften. Bis 2030 wird aber der Bedarf an professionellen Pflegedienstleistungen massiv steigen. Der Grund ist die nach oben wachsende Alterspyramide. So werden in 12 Jahren bereits 25 Prozent der Österreicher/innen älter als 65 Jahre sein. Trotz aller medizinischen Möglichkeiten wird die Nachfrage nach Pflegehilfe weiter zunehmen. Schon heute bewältigen 460.000 Personen den Alltag nicht mehr ohne Hilfe. Gleichzeitig aber nimmt die Betreuung durch Verwandte aufgrund der sich wandelnden Familienstrukturen und zunehmenden Berufstätigkeit von Frauen kontinuierlich ab.

Pflegelehre hilft Personallücke schließen

Um die sich schon jetzt immer größer werdende Lücke rechtzeitig zu schließen und entsprechende Vorsorge zu treffen, gilt es, für das Berufsbild „Pflege“ verstärkt zu werben. Keine Frage, dabei handelt es sich um einen aufopfernden Beruf, aber auch um einen, bei dem man sich als sozial engagierter Mensch verwirklichen kann. Um junge Menschen zu motivieren, diesen Berufsweg einzuschlagen, bedarf es zumindest zweierlei: einer attraktiven und  leistungsgerechten Bezahlung und einer Ausbildungsoffensive.

Derzeit gibt es in Österreich eine dreistufige Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung: eine dreimonatige Ausbildung für die Heimhilfe, eine zweijährige für die Pflegeassistenz und schließlich eine dreijährige, um als „Diplomierte Fachkraft“ tätig zu werden. Bloß die Möglichkeit, Pflege als Lehrberuf zu erlernen, gibt es noch immer nicht. Und dies trotz positiver Erfahrungen mit einem Pilotprojekt in Vorarlberg.

Für ein Pilotprojekt gilt in Vorarlberg die Schweiz als Vorbild. Dort sind die Lehrberufe Fachfrau/Fachmann Gesundheit und Fachmann/Fachfrau Betreuung seit langem ein Erfolgsmodell. Dabei erhalten die jungen Menschen ihre praktische Ausbildung in einem Lehr-Krankenhaus und besuchen eineinhalb Tage in der Woche eine Berufsfachschule. Dazu kommen noch überbetriebliche Kurse. Die Ausbildung kann gleich nach Ende der 9-jährigen Pflichtschulzeit begonnen werden.

Dieses Modell könnte auch in Österreich umgesetzt werden. Mir geht es darum, das Thema Pflege umfassend zu diskutieren, nicht nur von der Finanzierung her: Attraktivierung der Pflegeberufe, Unterstützung für pflegende Angehörige, Pflege zu Hause und damit Ausgestaltung der unteren Pflegestufen – das alles gehört gesamtheitlich besprochen. Der Seniorenbund wird sich in den nächsten Wochen und Monaten intensiv in diese Diskussion einbringen!

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