Pflege und Betreuung neu aufstellen – jetzt!

Ingrid Korosec

Pflege und Betreuung neu aufstellen – jetzt!

Bis Ende dieses Jahres will die Regierung ein konkretes zukunftshaltiges Konzept für den Gesamtbereich der Pflege erarbeiten. Wir als Österreichischer Seniorenbund bringen uns ganz massiv ein: Wir erarbeiten eine gründlich recherchierte Diskussionsgrundlage, die das Thema Pflege und Betreuung ganzheitlich und umfassend beleuchtet.

Schon die demoskopische Entwicklung macht deutlich, welch dringender Handlungsbedarf besteht: Bis 2030, also in etwas mehr als 10 Jahren, wird der Anteil der Generation 65+ auf 25 Prozent der Gesamtbevölkerung ansteigen. Die höhere Lebenserwartung hat zur Folge, dass ältere Menschen länger gesund bleiben, der Pflegebedarf ändert sich dadurch aber nicht, sondern verschiebt sich nur in das höhere Alter. Aktuell beziehen 452.000 Personen Pflegegeld. Das sind übrigens doppelt so viele wie bei  Einführung des Pflegegeldes im Jahr 1993. Und in den nächsten 30 Jahren wird sich diese Zahl nochmals verdoppeln und auf fast 930.000 Bezieher ansteigen.

Zeit zum Handeln

Damit nicht genug. Da in den nächsten Jahren die so genannte Babyboomer-Generation (also die Jahrgänge von 1960 bis 1970) das Pensionsalter erreicht, steigt die Nachfrage nach Betreuungsleistungen insgesamt an. Durch die große Zahl der Hochbetagten nimmt kostenintensive, medizinische Pflege und der Bedarf an stationären Betten zu. Dazu kommt, dass der ländliche Bereich von der Alterung stärker betroffen sein wird als der städtische. Umgekehrt werden das Ansteigen der Singlehaushalte und die weiter wachsende Frauenerwerbsquote dazu führen, dass die Betreuung durch Angehörige abnimmt.

Zu all dem kommt noch hinzu, dass unser derzeitiges Pflegesystem nicht mehr den modernen Standards und Erkenntnissen entspricht, zudem teuer, ineffizient und nicht bedarfsgerecht ist. Der Änderungsbedarf ist groß. Vernünftige Bedarfsplanung, der effiziente Einsatz der öffentlichen Mittel und die Nutzung aller kostendämpfenden Maßnahmen werden unumgänglich.

Jetzt geht es darum, das für Österreich wichtige und richtige Konzept gewissermaßen maßgeschneidert zu erarbeiten.

Einige Punkte sind vorrangig:

  • „Mobil vor stationär“: Vorrang für den Ausbau der mobilen vor der stationären Pflege
  • Pflegende Angehörige und 24-Stundenpflege müssen mehr unterstützt und gefördert werden, zum Beispiel durch mobile Pflegehilfen und Schaffung von Kurzzeitpflegeplätzen.
  • Erhöhung des Pflegegeldes bereits ab Stufe 1 und regelmäßige jährliche Valorisierung
  • Personal für „Pflege mit Qualität“ gewinnen, zum Beispiel durch Attraktivierung des Pflegeberufs sowie Schaffung eines eigenen Lehrberufs.
  • Prävention und geriatrische Rehabilitation müssen gefördert werden.
  • Ausbau der mobilen und stationären Palliativ- und Hospizversorgung.

Das Argument, dass damit hohe Kosten auf das Budget zukommen, lasse ich in diesem Zusammenhang nicht gelten. Denn, wenn man sich unsere Vorschläge genau ansieht, so erkennt man sehr schnell, dass Pflege und Betreuung nicht nur Kosten verursacht, sondern der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt wichtige Impulse gibt.

Die ältere Generation, die so viel für den Staat und die Gesellschaft geleistet hat, verdient auch für ihre Anliegen eine Politik mit Augenmaß. Das ist mein Credo!

Ihre Meinung zum Thema?

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