Rose und Nessel: Unser Medienpreis für klischeefreie Berichterstattung über die ältere Generation

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Heuer hat der Österreichische Seniorenrat in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Journalisten Club zum zehnten Mal die Medienpreise der Senioren-Rose und Senioren-Nessel verliehen. Dabei würdigen und tadeln wir die Art und Weise, wie Berichterstattung und Werbung mit älteren Menschen und ihren Lebenswelten umgehen. Denn Medienschaffende haben einen großen Einfluss auf das Denken der Gesellschaft. In dieser spuken Stereotype und Klischees über die ältere Generation, die schon längst nicht mehr zeitgemäß sind, immer noch in den Köpfen der Menschen und Meinungsmacher. Diese Bilder können durch Journalismus und Werbung zum positiven wie auch zum negativen verändert werden – ihre Verantwortung ist daher enorm.

Wir verlangen – wie alle Gruppen innerhalb der Bevölkerung – eine objektive und korrekte Berichterstattung über uns und unsere Lebenswelt. Denn wie kommt fast ein Viertel der Bevölkerung eigentlich dazu, als Zerrbild seiner selbst dargestellt zu werden?

Wer Seniorinnen und Senioren faktenbasiert und seriös portraitiert und sich reflektiert und faktenbasiert mit ihnen auseinandersetzt, dem streuen wir als Anerkennung Rosen. Wer aber weiterhin mit Klischees und Stimmungsmache spielt, den weisen wir daraufhin, dass sie oder er sich diesmal – egal, ob unbewusst, oder bewusst – in die Nesseln gesetzt hat.

Auch wenn dieses Jahr wieder in allen Kategorien Nesseln vergeben werden mussten, zeigt der hartnäckige Kampf des Österreichischen Seniorenrates und des Österreichischen Journalisten Clubs gegen Vorurteile über die Generation 60+ Wirkung. Ich bin überzeugt, dass sich die Berichterstattung über die ältere Generation kontinuierlich weg von Klischees und hin zur Seriosität wandelt. Hoffentlich können wir in naher Zukunft dann nur noch Rosen verleihen.


Zu den Preisen:

Senioren-Rose in der Kategorie Journalismus

Die drei Nominierungen:

1.) „Der Weltkrieg im Kopf“ von Elisabeth Hofer und Paul Batruel, im Kurier erschienenen am 3. November 2018. Dieser multimediale Beitrag befasst sich mit jenen schweren Traumata, ausgelöst durch die Kriegserlebnisse, die immer noch tausende Senioren heutzutage belasten und sich auch auf Nachkommen übertragen können.

Nachzusehen unter: http://stories.kurier.at/weltkrieg-im-kopf

2.) „Der Jugend gehört das Morgen, aber den Älteren nicht nur das Gestern“ aus der Presse vom 26. November 2018. Andrea Schurian stellt darin fest, dass Altwerden offenbar vor allem eines ist: peinlich in einer Gesellschaft, die von ewiger Jugendlichkeit träumt. Pensionisten hingegen träumen von einem würdigen Leben.

3.) Julia Kovarik ging in der ORF Sendung „Am Schauplatz“ vom 01. Februar 2018 unter dem Titel „Nachgefragt: Auf dem Abstellgleis - Arbeitslos mit 50 plus“ wiederum der Problematik der Arbeitslosigkeit Älterer nach. Trotz guter Qualifikation hat man keine Chance auf einen neuen Job. Julia Kovarik begleitet mit der Sendung Menschen, die beschlossen haben, zu kämpfen und zeigt auf welche Erfolge sie erzielt haben.

Der Medienpreis wurde von Julia Kovarik vom ORF mit großer Freude entgegengenommen. In ihren Dankesworten ging sie kurz auf die Dreharbeiten ein, die im Jahr 2012 begonnen hatten und Julia Kovarik dankte ihrem gesamten Team für die großartige Unterstützung.

Senioren-Nessel in der Kategorie Journalismus

Heuer empfand die Jury nur eine journalistische Fehlleistung als so massiv, dass es nur zu einer Nominierung kam und diese letztlich auch die Nessel erhielt.

In der ORF-Sendung „Daheim in Österreich“ vom 20. Dezember 2018 bezeichnete der Moderator Lukas Schweighofer „Rollator schieben“ als ein dem Alter angepasstes Workout für Arnold Schwarzenegger. Für diese Aussage gab es verdient diese Nessel.

Die Nessel wurde weder vom Preisträger selbst noch von einem Sendungsverantwortlichem im ORF entgegen genommen. Der Preis wird nachgereicht.

Senioren-Rose in der Kategorie Werbung

Die Nominierungen:

1. Die Wiener Linien haben unter dem Titel #zusammenhalten zwei Inseratenschaltungen herausgebracht. „Gemeinsam unterwegs sein braucht Respekt und Rücksichtnahme. Denn wir sitzen alle im selben Zug“. In hervorragender Art und Weise wird damit das Zusammenleben von Jung und Alt in der lebenswertesten Stadt der Welt, in Wien, dargestellt.

2. Nominiert wurde der Dachverband Hospiz Österreich für das Video „Mutmacher für ein Sterben zu Hause“. Vier Anbieter von mobiler Pflege und Betreuung zu Hause in Wien haben gemeinsam mit Hospiz Österreich zur Entstehung beigetragen.

3. Ein weiterer Werbespot hat es in den Kreis der Nominierten geschafft. Es war dies die Werbung der ERGO-Versicherung mit dem Titel „Ich werde 100“, die im Herbst 2018 auch im Fernsehen zu sehen war. Mit humorvoller Art und Weise wird darin an das Leben im Alter herangegangen und das ohne die altbekannten Klischees.

Die Senioren-Rose der Kategorie Werbung wurde von der Jury letztlich an die Wiener Linien für #zusammenhalten vergeben.

Der Preis wurde von der Leiterin der Unternehmenskommunikation Mag. Anna Maria Reich sowie Nina Wach, die Stellvertretende Leiterin entgegen genommen. Mag. Reich dankte ebenso ihrem Team und betonte, dass es Toleranz und respektvoller Umgang miteinander braucht und dies auch den Wiener Linien sehr wichtig ist.

Senioren-Nessel in der Kategorie Werbung

Allein nominiert und damit Preisträger wurde die UNIQA Insurance Group AG für die APA-OTS-Aussendung vom 05. Juli 2018 mit dem Titel „Finanzieller Pensionsschock garantiert“.

Seitens der Jury wurde bei dieser Aussendung, die die eigenen Pensionsprodukte bewarb, insbesondere die unrichtige Darstellung von Fakten und Daten hinsichtlich der langfristigen Finanzierbarkeit der gesetzlichen Pensionen kritisiert.

Die wenig begehrte Senioren-Nessel wurde vom Teamleiter der Kommunikation Wilfried Stöckl entgegen genommen. Der Vertreter der Uniqa hob hervor, dass es der Uniqa wichtig sei, die junge Generation für Vorsorge im Alter zu sensibilisieren, aber keinerlei Absicht bestand die ältere Generation schlecht darzustellen.

Senioren-Rose in der Kategorie Bild

Die Nominierungen:

1.) Nominiert wurde der Fotograf Franz Neumayr für die Bilder in den Salzburger Nachrichten am 18. August 2018 zum Artikel „Salzburg: Rikscha statt Rollator für Senioren“. Berichtet wurde darin, dass zwei junge Studenten ein Rikscha-Unternehmen gegründet haben und gratis mit Bewohnern von Seniorenheimen radelten.

2.) Die zweite Einreichung galt dem Fotografen Jeff Mangione für seine Bildreihe zu „Suche: Partner, 60 plus“, die im Kurier am 28. Jänner 2018 erschienen ist. Die Bilder zum Artikel von Anna-Maria Bauer berichten von einem Speeddating in einem Wiener Pensionistenklub.

3.) Jeff Mangione wurde noch eine weitere Nominierung zugesprochen. „Seniorendisco am Schiff: Einmal Dancing Queen, immer Dancing Queen“ war am 02. Juni 2018 im Kurier zu lesen, Jeff Mangione steuerte wiederum die Bilder bei.

Die Senioren-Rose ging an Franz Neumayr für diese Bildserie zum Rikscha-fahren, die für die Jury wahre Lebensfreude zeigte. In seiner Vertretung nahm Hubert Hahn den Preis entgegen.

Senioren-Nessel in der Kategorie Bild

Zwei Beispiele, wie man es nicht machen sollte:

1. Das Titelbild der Zeitschrift „NÖ-Gemeinde“ des Niederösterreichischen Gemeindebundes vom März 2018. Die Kritik der Jury richtet sich dabei nicht gegen den Titel oder Inhalt des Artikels zum Thema Finanzierung des Pflegeregresses, sondern gegen die vollkommen unpassende Auswahl und Verwendung eines Bildes von einem älteren, offensichtlich pflegebedürftigen Paares in Form von Kunststoffminiaturen, umringt von Geldmünzen.

2. Die Jury war sich bei der zweiten Einreichung bewusst, dass es schwierig ist, politische Karikaturen in diese Kategorie aufzunehmen. Bei dem Cartoon von Thomas Wizany war für die Jury die Grenze des guten Geschmacks jedoch überschritten. Unter dem Titel „Der rote Rollator“ war dabei die mit einem Rollator symbolisierte Übergabe des Pensionistenverbandes von Karl Blecha an Peter Kostelka im April 2018 zu sehen.

Die Nessel ging an die Zeitschrift des Niederösterreichischen Gemeindebundes. Als Vertreter des Österreichischen Kommunal-Verlages nahm Mag. Helmut Reindl für die Redaktion des Magazins den Preis entgegen. Dieser gestand einen Fehler bei der Bildauswahl ein und versicherte unter dem Applaus der Teilnehmer in Zukunft sensibler vorzugehen.

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