Smartphone und Internet als Tor zur Welt

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Am vergangenen Dienstag hat die Regierung das „Digitale Amt“ auf der Website oesterreich.gv.at gestartet. Die wichtigsten Verwaltungsangelegenheiten – von der Wahlkartenbeantragung über die Änderung des Wohnsitzes bis hin zur Beantragung von Sozialleistungen – können nun direkt über das Internet erledigt werden, ein Gang zum Amt ist nicht mehr notwendig. Durch diese Erleichterungen und bessere Nutzerfreundlichkeit wird die Digitalisierung als „Tor zur Welt“ für jedes Alter geöffnet. Insbesondere Seniorinnen und Senioren profitieren davon, da ihnen lange Fahrtzeiten erspart bleiben oder sie trotz Krankheit wichtige Amtswege erledigen können.

Außerdem hat die Novelle des Rezeptpflichtgesetzes das e-Rezept auf den Weg gebracht. Rezeptcodes können zukünftig auch per Email oder App abgerufen werden. Ein verlorenes oder nicht lesbares Rezept kann darüber hinaus per e-Card trotzdem in der Apotheke eingelöst werden. Insbesondere aber freue ich mich hier über die Beschleunigung der Rezeptgebührenbefreiung, wenn mehr als zwei Prozent des Jahreseinkommens für Rezeptgebühren ausgegeben werden. Statt Bearbeitungszeiten von bis zu sechs Wochen erfolgen Berechnung und Befreiung mit dem neuen System beinahe in Echtzeit. Das ist besonders für chronisch kranke Menschen, die regelmäßig Medikamente beziehen müssen, eine Entlastung, da sie davor bewahrt werden, unfreiwillige Vorauszahlungen für Rezeptgebühren zu leisten.

„Silver Surfer“ auf dem Vormarsch

Diese beiden Maßnahmen sind nur Beispiele der seit Jahren voranschreitenden Digitalisierung unserer Gesellschaft. Seniorinnen und Senioren können davon nur profitieren. Entgegen allen Klischees verschließen sie sich nicht der Digitalisierung. Ganz im Gegenteil: Egal ob chatten auf WhatsApp oder in sozialen Medien, beim Surfen und Einkaufen im Internet, dem Buchen von Reisen online oder der Nutzung von Apps – die ältere Generation ist neugierig und will die digitale Welt aktiv erkunden. Mehr als 90 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher zwischen 50 und 59 Jahren nutzen das Internet, bei den 60-69-Jährigen sind es immer noch 75 Prozent.

Zwei Drittel der 55-64-Jährigen nutzen laut Statistik Austria überdies Smartphones – damit stehen sie jüngeren Generationen online in nichts nach. Dass die Präsenz von Seniorinnen und Senioren online steigt, sieht man auch gut daran, dass die Wirtschaft diese wachsende Zielgruppe der „Silver Surfer“ schon vor Jahren für sich entdeckt hat, sie mit speziellen Angeboten umwirbt und Produkte und Apps nutzungsfreundlicher für ältere Menschen gestaltet.

Digitalisierung ist ein wichtiger und unausweichlicher Fortschritt in unserer Gesellschaft. Der Seniorenbund unterstützt daher das große Interesse der Generation 60 plus in diesem Bereich. In allen Landesorganisationen werden regelmäßig Kurse und Workshops angeboten, in denen Seniorinnen und Senioren ihre Computerkenntnisse auffrischen und den Umgang mit Tablets und Smartphones erlernen können. Darüber hinaus vermitteln die Kurse der Initiative „fit4internet“ des Digitalisierungsministeriums in Kooperation mit dem Seniorenrat älteren Menschen grundlegende digitale Kompetenzen. Das Angebot finden Sie auf www.fit4internet.at.

Oftmals werden Seniorinnen und Senioren bei all diesen Kursen von jüngeren Freiwilligen unterstützt, die ihnen beispielsweise das Surfen im Internet oder die Nutzung von Apps erklären. Auch Kinder und Enkelkinder sind gute Anlaufstellen, um ohne Druck und in Ruhe in die digitale Welt einzutauchen. So wird nicht nur online – beispielsweise über die Kommunikation mit weit entfernten Verwandten und Freunden über soziale Medien – sondern auch offline eine Brücke zwischen den Generationen geschlagen.

Digitalisierung muss freiwillig erfolgen

Als wichtig und selbstverständlich sehe ich es aber bei allen Maßnahmen zur Digitalisierung an, dass die bewährten, analogen Möglichkeiten beibehalten werden. Ältere Menschen, die keinen Zugang zu digitalen Applikationen haben oder sich bewusst gegen diese entscheiden, dürfen nicht zur Nutzung digitaler Dienste gezwungen werden. Es muss ihnen weiterhin offen stehen, ein Papierrezept in der Apotheke einzulösen oder Anträge persönlich auf dem Amt abzugeben.

Denn so gut und wichtig die Digitalisierung auch für Seniorinnen und Senioren ist, indem sie Verwaltungsabläufe vereinfacht und modernisiert – derartige Veränderungen können nur sanft und über einen längeren Zeitraum geschehen. Digitalisierung soll – und wird – sich in allen Generationen auf freiwilliger Basis durchsetzen und Seniorinnen und Senioren werden ihren aktiven Beitrag dazu leisten.

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