Thema der Woche: Bargeld muss geschützt werden!

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Dieses Jahr wurde das Ende des 500-Euro-Scheins besiegelt. Dazu kochen auf europäischer Ebene immer wieder Pläne für eine Begrenzung von Bargeldzahlungen auf. Es gibt sogar Ökonomen, die Bargeld am liebsten ganz abschaffen würden. Auch in Österreich ist die Diskussion ums Bargeld in den vergangenen Tagen wieder entfacht.

Mein Standpunkt dazu ist ganz klar: Das Bargeld muss bleiben!

Vor allem für die ältere Generation ist die Möglichkeit, mit Bargeld zu bezahlen, unbestritten notwendig, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. In großen Städten, wo flächendeckend mit Karte gezahlt werden kann und an jeder Ecke ein Bankomat steht, mag man Bargeld vielleicht nicht sofort vermissen. Kaum dünnt die Infrastruktur aber aus, insbesondere im ländlichen Raum, sieht das gleich anders aus. Denn was tun, wenn der Dorfgreißler keine Kartenzahlung annimmt oder das Kartenlesegerät ausfällt? 

Bargeld ist Hacking-sicher

Auch die hochentwickeltsten Bankensysteme sind nicht unfehlbar. Ausfälle gibt es immer wieder – und in einer bargeldlosen Gesellschaft kann man dann nirgends mehr bezahlen, egal, ob es der tägliche Einkauf oder ein wichtiges Medikament in der Apotheke ist.

Ein komplett bargeldloses Zahlungssystem müsste daher bombensicher gegen Cyberangriffe wie Hacking und andere Gefahren wie Stromausfälle sein. Nicht einmal vehemente Gegner des Bargelds können überzeugende Antworten auf diese Sicherheitsfragen liefern. Bargeld ist unbestritten ein Sicherheitsnetz im Notfall – denn unsere Wirtschaft ist zu hochentwickelt, um kurzfristig wieder auf Tauschhandel umzusteigen.

Bargeld schützt vor Negativzinsen

Außerdem wird die Abhängigkeit von den Banken ohne Bargeld noch stärker, als sie es ohnehin schon ist. Jede Zahlung kann nachverfolgt werden und lässt auf Gewohnheiten schließen. Unser Bankkonto würde so einen unverhältnismäßig tiefen Einblick in unser Leben und unsere Privatsphäre geben – ein Schritt weiter in Richtung gläserner Mensch. Diese Machtfülle der Banken würde uns ihnen schutzlos ausliefern. Angesichts der anhaltenden Diskussion um Negativzinsen im Euroraum wäre das eine fatale Situation. Negativzinsen kämen dann einer Enteignung von Privathaushalten gleich – mit wenigen Klicks und ohne, dass man sich dem durch Barbehebungen entziehen kann.

Österreicher lieben ihr Bargeld

Was auch nicht außer Acht gelassen werden darf: Bargeld ist ein Kulturgut, vor allem in Österreich. In keinem anderen Land Europas sind Barzahlungen so geschätzt wie bei uns. Gerademal 17 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher würden laut einer Umfrage auf Scheine und Münzen verzichten wollen. Vor allem für kleine Zahlungen wie den Nachmittagskaffee, Trinkgeld für die Kellnerin, Taschengeld für Kinder und Enkel oder eine Spende für den Klingelbeutel sind Scheine und Münzen nicht nur beliebter, sondern auch praktischer als eine Karte. Nicht zuletzt bietet Bargeld eine bessere Kontrolle über die eigenen Ausgaben.

Digitalisierung, aber mit Wahlfreiheit

Die Wichtigkeit der Digitalisierung ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Die ältere Generation wird auch immer fitter, was Smartphone und Internet anbelangt und steht den Jüngeren in der Nutzung teilweise kaum nach. Auch bargeldlose Zahlungen werden beliebter. Sie sind bei der Generation 50+ aber noch weit davon entfernt, die Norm zu sein. Daher muss die Möglichkeit bestehen, dass jeder und jede die Digitalisierung im eigenen Tempo mitmacht. Trotz allen Fortschrittsgedanken muss die Wahlfreiheit immer bleiben. Bargeld muss daher auch in einer sich weiter digitalisierenden Gesellschaft besonders geschützt werden.

Ich habe bereits bei meiner Wahl zur Seniorenbunds-Präsidentin gesagt, dass ich für die Erhaltung des Bargeldes wie eine Löwin kämpfen werde. Daran hat sich nichts geändert – ich setze mich auch weiterhin mit aller Kraft dafür ein.

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