Thema der Woche: Wir müssen pflegenden Angehörigen unter die Arme greifen!

Ingrid Korosec

Präsidentin des Österr. Seniorenbundes
Abgeordnete zum Wr. Landtag
Volksanwältin a.D.

Die Diskussion um Pflege und Betreuung nimmt wieder Fahrt auf. Nicht nur findet diese Woche eine große Pflegeenquete statt, das Sozialministerium hat auch das Gütesiegel für Vermittlungsagenturen von 24-Stunden-Betreuung vorgestellt. Das ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, ich kritisiere dabei aber nach wie vor, dass die in dieser Zertifizierung festgesetzten Richtlinien nicht verpflichtend sind. So wird das Gütesiegel zahnlos.

Verbesserungsmöglichkeiten für unser Pflegesystem gibt es zur Genüge und eine Reform ist ohne Zweifel überfällig. Ich habe bereits viele Potenziale aufgezeigt, wie den Ausbau mobiler Dienste, die Erhöhung des Pflegegeldes bereits ab Stufe 1 oder verstärkte Maßnahmen zur Gesundheitsprävention. Harmonisierungen und die Ausweitung der Angebote sind hierbei sind wichtige Ansatzpunkte, immerhin können sich Tarife für gleiche Betreuungsleistungen in den Bundesländern um bis zu 60 Prozent voneinander unterscheiden.

Noch immer werden viele von ihren Angehörigen gepflegt

Bei allen Diskussionen um Zertifikate und Harmonisierungen darf aber eines nicht vergessen werden: Pflege und Betreuung ist in Österreich immer noch zu einem großen Teil informell. Denn Pflege und Betreuung übernehmen häufig Eltern, Ehepartnerinnen und Ehepartner, Geschwister oder Kinder – und das meist für viele Jahre. Um sich um ihre Lieben kümmern zu können, stellen diese Menschen auch oft die Erwerbstätigkeit hinten an.

Für ihre Anstrengungen und Aufopferungen drohen pflegenden Angehörige Einschnitte in die Pension und Altersarmut. Die Angehörigenpflege endet aber auch in der Pension nicht, da sich viele Seniorinnen und Senioren um ihre Partnerinnen und Partner kümmern. Der Österreichische Seniorenbund fordert daher, das selbstlose Engagement dieser Menschen stärker zu würdigen und sie zu unterstützen:

 

  • Pflegende Angehörige dürfen keine Pensionsnachteile erfahren. Derzeit werden ihnen die Betreuungszeiten der Pflegebedürftigen ab Stufe 3 nur bedingt als Beitragszeiten für die Pension anerkannt. Aus den erforderlichen 15 Beitragsjahren müssen immer noch mindestens 7 Jahre aus Erwerbstätigkeit stammen. Der Österreichische Seniorenbund setzt sich daher für eine Gleichstellung der Pflegezeiten mit den Zeiten aus Erwerbstätigkeit ein. Das bedeutet, dass bei 15 Jahre Pflege bereits ein eigener Pensionsanspruch erworben werden kann.
  • Viele Seniorinnen und Senioren pflegen auch in der Pension Angehörige zuhause. Wer die Berufstätigkeit aufgibt, um Angehörige zu pflegen, wird von der öffentlichen Hand dahingehend unterstützt, dass Versicherungsbeiträge weiterbezahlt werden. Die Pflegetätigkeit von Seniorinnen und Senioren ist jedoch mindestens genauso wichtig wie jene der Aktiven. Auch sie müssen finanzielle Unterstützung erhalten. Der Österreichische Seniorenbund schlägt daher vor, dass allen pflegenden Angehörigen, die bereits eine Pension beziehen, ein Pflegebonus zugesprochen werden soll. Dieser sollte der Förderung einer 24-Stunden-Betreuung für Selbstständige (derzeit 275 Euro pro Betreuungskraft) entsprechen. Langfristig sollte die öffentliche Hand aber nicht darauf setzen, dass Pflege und Betreuung auf den Schultern (pensionierter) Angehöriger lasten kann.
  • Um die unnötige Übersiedlung in ein Heim zu verhindern, aber auch um pflegende Angehörige zu unterstützen, braucht es jedoch genug Fachpersonal in der mobilen Pflege. Insbesondere Jugendlichen, die sich für Pflegeberufe interessieren, wird oft erst zu spät die Möglichkeit zu einer entsprechenden Ausbildung gegeben. Dann sind sie jedoch oft schon an andere Berufszweige verloren. Die Berufsbilder im Bereich Pflege und Betreuung bedürfen daher einer Anpassung, insbesondere, was die Ausbildung angeht. Das reicht von einer Pflegelehre ab dem 15. Lebensjahr über die Ausbildung in Schulen zur Heimhelferin bis hin zum akademischen Abschluss. Landwirtschaftliche Schulen haben bereits Pilotprojekte gestartet, um junge Menschen zu Heimhelferinnen und Heimhelfern auszubilden. Diese Bestrebungen müssen unbedingt weiter gefördert werden.

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