Vorsorge "Alt und gesund statt alt und krank!"

Dass Pflege und Betreuung in Österreich neu organisiert werden müssen, ist längst überfällig und, wie viele Menschen aus eigener Erfahrung wissen, dringend.

Die erste Frage lautet: Was soll mit dieser Reform erreicht werden? Betroffene wünschen sich, dass es ausreichend Angebote für Hilfe zuhause gibt. Sie soll leistbar sein und möglichst genauso unterstützen, wie es der/die einzelne braucht. Für die Politik geht es auch um die Finanzierbarkeit. Ohne neue Ideen explodieren die Kosten von 5 auf 14 Milliarden €.

Daher lautet die zweite Frage: Wie lässt sich gute Versorgung erreichen und finanzieren? Indem die Menschen möglichst lang möglichst gesund bleiben, so die schlichte Antwort. Die Schweiz geht davon aus, dass die Ausgaben für Pflege um 40% weniger stark steigen, wenn die Bevölkerung gesund alt wird. Umgelegt auf Österreich heißt das: die Kosten steigen statt auf knapp 14 Milliarden € auf 10,5 Milliarden €.

Gesund oder krank sein ist nur zu einem Teil Schicksal. Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck oder die gefürchteten Oberschenkelhalsbrüche lassen sich durch vernünftigen Lebensstil oder gezieltes Training zumindest teilweise verhindern bzw. zumindest hinauszögern. Pflegebedürftigkeit lässt sich ab-trainieren – sofern das Gesundheitssystem mitspielt, also Geld in Vorbeugung und Rehabilitation für gesundes Altwerden investiert. Tut es in Österreich aber nicht: Die Budgets für Gesundheit und Pflege werden streng getrennt verwaltet. Die Krankenkassen sparen bei der Prävention, denn die daraus entstehenden Pflegekosten übernimmt die Sozialhilfe. Finanziell unsinnig, weil in Summe ein Nullsummenspiel, für die Betroffenen bitter, weil sie unnötigerweise Pflegefälle werden.

Im Pflegevorzeigeland Dänemark konzentriert man sich darauf, ältere Menschen gesund, fit und selbstständig zu halten. Dänische SeniorInnen erhalten nicht nur Informationen über gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sondern auch gezieltes Kraft- und Koordinationstraining bis ins höhere und hohe Alter. Nach einer Krankheit oder einem Unfall bekommen sie die nötigen Kuren und Therapien, um wieder möglichst gut auf die Beine zu kommen. Zu dieser Prävention gehört auch Hilfe, sich selbst zu helfen – von der „Pflege mit der Hand in der Hosentasche“ war im Laufe von Pflege – jetzt handeln bereits die Rede. Daher sind in Dänemark nur 8% der Über-65-Jährigen betreuungsbedürftig, in Österreich sind es 22%. Dänemark gibt für Gesundheit und Pflege 4.000 € pro Kopf im Jahr aus. Österreich auch. Als alter Mensch lebt es sich in dem skandinavischen Staat jedoch deutlich besser als hier.

Neben Prävention und Rehabilitation braucht es ein dichtes Netz an BeraterInnen, TherapeutInnen und ÄrztInnen mit der entsprechenden Erfahrung in Altersmedizin. Durch gute medizinische Betreuung in der Nähe des Wohnortes und den Pflegeheimen lassen sich jedes Jahr 450.000 der 1,2 Millionen Spitalsaufenthalte Älterer vermeiden.

Daher lautet eine meiner wichtigsten Forderungen an die Pflegereform: Gesundheit und Pflege müssen als Einheit gesehen werden, gleichgültig aus welchen Budgettöpfen sie finanziert werden. Das Hin- und Herschieben der Kosten und der Verantwortung macht allen das Leben schwer, den Betreuungsbedürftigen ebenso wie den Behörden.

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